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Industrielle Lebensmittel: Der Schrecken vom Fließband

Lebensmittelproduktion vom Fließband

Quelle: Food, Inc. via http://www.fullsirclefarms.com

Guerson ist Foodie aus Leidenschaft und Mitbegründer von foodieSquare, Macher der TastyBox. Was ihn antreibt und warum er in den Köpfen, Küchen und der Lebensmittelindustrie etwas ändern will, erzählt er hier.

Ich bin entsetzt. Je mehr ich über die Lebensmittelindustrie erfahre, desto mehr Angst bekomme ich. Kein Wunder, dass sich keiner wirklich mit dem Thema auseinander setzen möchte. Seit ich foodieSquare vor 2 Jahren mitbegründet habe, kümmere ich mich um die Verbreitung von Lebensmitteln, die noch auf traditionelle Art von Menschen hergestellt werden. Menschen mit Leidenschaft, die Lebensmittel produzieren, die einfach besser schmecken und einen außergewöhnlichen Genuss ermöglichen.

Es ging immer um diese ehrlichen Menschen. Deren Geschichte. Ich will mehr über sie erfahren. Ich lasse mich von ihrer Leidenschaft anstecken. Mit meiner Begeisterung und mit Hilfe moderner Technologie will ich diese Leidenschaft zum Endverbraucher bringen. Das ist der Grund, warum ich bei foodieSquare bin.

Mir war klar, dass das, was in der Lebensmittelindustrie abgeht, nicht normal sein kann. Aus Menschenverstand. Aus meinem Hintergrund heraus. Ich bin Wirtschaftsingenieur und weiß gut, wie industrielle Produkte hergestellt werden. Mein Vater hat für die PepsiCo Group gearbeitet und ich selbst war mehrmals in Lebensmittelfabriken. Irgendwie faszinierte es mich anfangs, wie so viele Lebensmittelprodukte vom Band gefertigt werden konnten. Es klang damals als Kind und Jugendlicher plausibel, dass diese Art von Herstellung notwendig war, um so viele Menschen auf der Erde ernähren zu können. Nur drehten sich meine Gedanken da ausschließlich um den Faktor der „Menge“, die produziert werden müsste. Mir war nie bewusst, was mit den Lebensmitteln gemacht wird, um so ein Fließbandkonzept zu ermöglichen.

Inzwischen bin ich aufgewacht. Es ist erschreckend! Was an Zusatzstoffen, Geschmacksverstärkern und chemischen Elementen benötigt wird, war mir nicht bewusst. Noch schlimmer war zu erfahren, wie intransparent das Ganze ist. Die meisten Menschen wissen überhaupt nicht, woher Lebensmittel kommen. Die Lieferkette für die Herstellung dieser Lebensmittel ist genau so lang, ausgelagert und profitorientiert (alles muss so günstig wie möglich sein), wie die eines anderen industriellen Produktes, z.B. Putzmittel. Hauptkomponenten werden an Dritte verlagert, die wiederum Komponenten auslagern und so weiter. So stammt die Salami einer Tiefkühl-Pizza von einem Fleisch-Vertrieb, der das Produkt nur verarbeitet, es aber erst von Dritten ankauft. Diese wiederum beziehen das Fleisch von einem Schlachthof mit Massentierhaltung, auf dem 30.000 Schweine pro Woche getötet werden. Keiner weiß über die Bedingungen Bescheid, unter denen die Schweine gemästet und geschlachtet wurden. Keine Auskunft, nix, nada. Es ist nicht nur erschreckend, dass wir kaum wissen, was da tatsächlich abgehen könnte, sondern auch, dass sich kaum jemand überhaupt dafür interessiert.

Das alles ist Absicht der Lebensmittelindustrie. Das ganze System ist dazu geschaffen worden, undurchsichtig zu sein. So kann jeder machen was er will. Bis der nächste Skandal kommt. Dann ist es eigentlich viel zu spät. Dann wird in Panik nur an den Symptomen herumgedoktert, aber das Urproblem wird nicht diskutiert. Nicht von den Medien, nicht von der Regierung.

Ich fühle mich isoliert. Ich kann mit kaum jemandem zum Thema eine Diskussion führen. Kaum jemand setzt sich mit der Thematik auseinander. Ich kann nur allein für mich handeln. Zum Beispiel mit meiner täglichen Entscheidung, was ich kaufe und esse. Was meine Kinder essen. Ich kann nur weiter hart und ausdauernd daran arbeiten, dass foodieSquare erfolgreicher wird. Nicht nur aus persönlichem Interesse, sondern weil genau foodieSquare einen dazu Beitrag leistet, die Informationslücke in der Lebensmittelindustrie zu schließen ­– nämlich zu wissen, woher unsere Lebensmittel kommen.

Autor: Guerson Meyer
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Der deutsche Lebensmittelskandal und was Konsumenten daraus lernen sollten

Deutsche Lebensmittleskandal (Bild: dokufilme.blogspot.de)

Deutsche Lebensmittleskandal (Bild: dokufilme.blogspot.de)

Please click here for the english version. In Deutschland wurde ein Lebensmittelskandal mit Dioxin-Verseuchten Lebensmitteln (bis jetzt sind Eier, Geflügel und Schweinefleisch betroffen) Ende 2010 aufgedeckt und die Öffentlichkeit 2011 informiert. Laut der Europäischen Union begann der Vorfall als Fett – von einer Biodieselfirma – welches eigentlich für Industrieprozesse verwendet wird  mit pflanzlichen Futterfetten gemischt wurde um Tierfutter herzustellen. Das kontaminierte Futter wurde an verschiedene landwirtschaftliche Betriebe in Deutschland ausgeliefert und durch Schweine und Hühner konsumiert deren Fleisch und Eier nun höhere Dioxinwerte aufweisen als das EU-Recht vorsieht. Die meisten betroffenen landwirtschaftlichen Betriebe sind Schweinefarmen in Niedersachsen. Einige der Eier wurden an weiterverarbeitende Betriebe in den Niederlanden geliefert und 14 Tonnen pasteurisierte Eier wurden nach Großbritannien geschickt, wo diese die in die Nahrungskette eingebracht wurden. EU-Verantwortliche sagen dass sie über den Vorfall am 27 Dezember 2010 zum ersten Mal von Deutschland informiert wurden. Aber die erste Nachricht bezog sich nur auf eine Lieferung – 26 Tonnen – von kontaminierten Futtermitteln. Am 3 Januar 2011 realisierten deutsche Beamte dass die Kontaminierung weitaus größer war – insgesamt neun Lieferungen, geliefert an 25 Futterhersteller. Das Ministerium von Schlesweig-Holstein sagt jedoch, der Dioxinalarm begann schon im März 2010. Dem verantwortlichen Betrieb wird unterstellt die Behörden nicht informiert zu haben. Testresultate die später durch das Ministerium veröffentlicht wurden zeigen, dass das Fett im Futtermittel den Grenzwert um das 77-Fache übersteigt.

Es ist zu einfach die Industrie allein verantwortlich zu machen – Konsumenten tragen eine Teilverantwortung

Industrial Chicken Farm (Massentierhaltung, Bild:Greenpeace.de)

Industrial Chicken Farm (Massentierhaltung, Bild:Greenpeace.de)

Umweltschützer machen die industrialisierte Lebensmittelproduktion für den Dioxinskandal verantwortlich. Eine Teilschuld trägt sicherlich die Industrie und vor allem die Betriebe die Gesetze brechen und deswegen zur Rechenschaft gezogen werden müssen. Zum Teil ist jedoch auch der sehr preissensitive Lebensmittelkäufer verantwortlich. Diese Konsumenten die nur auf den Preis schauen setzen die Industrie indirekt unter Druck die Preise weiter zu senken. Ein Resultat ist, dass obwohl der Lebensmittelabsatz in 2009 konstant blieb, die Lebensmittelumsätze um 4% gefallen sind.

Unterstützt kleine lokale Produzenten anstatt ausschließlich die Supermarktketten

Nichts ist umsonst, dies sollte der Konsument im Hinterkopf behalten wenn er einkaufen geht. Natürlich ist es für manche Menschen nicht möglich andauernd biologische Produkte einzukaufen und man könnte argumentieren dass biologisch nicht immer besser ist. Eines ist jedoch sicher, ab und zu bei lokalen kleinen Produzenten einzukaufen die ihre Wertschöpfungskette in der eigenen Hand haben (Produzenten die zum Beispiel den Mais ohne künstliche Dünger selbst anbauen den sie zum Futtern ihrer Hühner verwenden) wird helfen die Produktvielfalt zu erhalten oder gar zu stärken. Wenn der nächste Lebensmittelskandal kommt hat man wenigstens einen lokalen Produzenten von dem man einkaufen kann… foodieSquare unterstützt die europaweite Lebensmittelvielfalt und -kultur Indem wir kleinen traditionellen Lebensmittelproduzenten ermöglichen auf unserem Marktplatz online ihre Produkte zu verkaufen, verfolgen wir dasselbe Ziel wie die Slow Food Bewegung, nämlich die unzähligen traditionellen Getreidesorten, Gemüsesorten, Tierrassen und Lebensmittel zu schützen. Diese würden ansonsten durch industrialisierte Lebensmittelproduktion und Fast Food verdrängt werden. Sammy


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